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DJI-Kinderbetreuungsreport: Zu wenig Plätze und zu kurze Betreuungszeiten

Der DJI-Kinderbetreuungsreport 2019 ist erschienen und beschreibt mit repräsentativen Daten die Betreuungswünsche von Eltern mit Kindern unter 12 Jahren. Der Report fasst die wesentlichen Befunde und Analysen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) zusammen, an der im Jahr 2018 33.000 Eltern mit Kindern unter 12 Jahren teilnahmen. 

Vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr bis zur Einschulung haben DJI-Forscherinnen und Forscher die Eltern dazu befragt, ob ihr Kind institutionell betreut wird, in welchem privaten Betreuungsarrangement und zu ihrem tatsächlichen Bedarf. Ein weiteres Augenmerk lag auf den Gründen der Nichtinanspruchnahme von Betreuungsangeboten.

Auswertungen liegen für drei Altersgruppen vor: Kinder unter drei Jahren (U3-Kinder), Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt (U6-Kinder) und Grundschulkinder, so dass Vergleiche zwischen den einzelnen Altersgruppen möglich sind. Erste zentrale Ergebnisse der Elternbefragung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert, erscheinen regelmäßig auch in der Broschüre „Kindertagesbetreuung kompakt“.

Einige Ergebnisse der Analyse

Der Betreuungsbedarf erhöht sich weiterhin moderat in allen drei Altersgruppen, obwohl die Betreuungsplätze in den vergangenen Jahrzehnten massiv ausgebaut wurden. Beispielsweise gibt jede fünfte Familie mit einem ein- oder zweijährigen Kind in Westdeutschland an, dass ihr Kind derzeit nicht institutionell betreut wird, obwohl sie Bedarf haben. Hierbei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Während der Bedarf an öffentlich geförderter Betreuung im Westen etwa 45 Prozent beträgt, liegt er im Osten, inklusive Berlin, mit 61 Prozent deutlich darüber.

Bei Kindern im Kindergartenalter (U6-Kinder) ist die Versorgung mit Betreuungsplätzen dagegen gut. In Westdeutschland geben 6 Prozent der Eltern von Grundschulkindern an, trotz ihres Bedarfs keinen Betreuungsplatz zu haben, in Ostdeutschland nur 2 Prozent.

Den Ergebnissen der Studie zufolge müssten in Westdeutschland für alle Altersgruppen vor allem Plätze geschaffen werden, die die Zeit bis zum frühen Nachmittag abdecken. In Ostdeutschland wird hingegen nach wie vor von den meisten Eltern eine ganztägige Betreuung nachgefragt.

Insgesamt zeigt die Kinderbetreuungsstudie, dass Eltern mit den aktuellen Öffnungszeiten der Einrichtungen nur bedingt die Flexibilität leisten können, die im Erwerbsleben von ihnen erwartet wird. Frühere Öffnungszeiten aber auch flexiblere Buchungszeiten würden den Familien helfen.

Der Kinderbetreuungsreport greift jedes Jahr ein aktuelles Thema vertiefend auf. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt mit Blick auf das „Gute KiTa-Gesetz“ auf der elterlichen Einschätzung der Qualität der Betreuung. Die meisten Eltern sind weitgehend zufrieden. Nur die Kosten und die Größe der Gruppen bewerten sie teilweise kritisch. Die Kritik an den Betreuungskosten bezieht sich auf die Betreuung der ein- und zweijährigen Kinder, die Gruppengröße auf die älteren Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Insgesamt lässt sich feststellen, dass weitere Verbesserungen, die dazu dienen könnten, die Erwartungen der Eltern an die Qualität der Betreuungsangebote besser erfüllen zu können, nur langsam vorankommen.

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zum Projekt DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) finden sich beim Deutschen Jugendinstitut. Dort steht auch der DJI-Kinderbetreuungsreport 2019 (PDF 1,6 MB) zur Verfügung.

In einer Schwerpunktausgabe des Magazins Kindertagesbetreuung Kompakt (PDF 2,6 MB)informiert außerdem das Bundesjugendministerium zum Ausbaustand und Bedarf im Handlungsfeld.   aufinden sich au

Quelle: Deutsches Jugendinstitut e.V.

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Kommentare (2)

  • Juliane:
    04.06.2020 um 00:09 Uhr

    Die Studie zeigt genau auf, was hinter dem Drang nach Ausbau der Betreuung steckt: wirtschaftliche Überlegungen. Für mich der Schlüsselsatz des Artikels:

    "Insgesamt zeigt die Kinderbetreuungsstudie, dass Eltern mit den aktuellen Öffnungszeiten der Einrichtungen nur bedingt die Flexibilität leisten können, die im Erwerbsleben von ihnen erwartet wird"

    Eltern machen da mit oder müssen mitmachen, Kinder werden nicht gefragt, in dieser Studie werden ihre Bedürfnisse regelrecht ignoriert. Bei normalen Familienverhältnissen braucht kein Kind eine "Betreuung" von 7 und mehr Stunden pro Tag. Um das einzugestehen braucht man aber Mut, Reife, Klarheit und Empathie.

    Antworten

    1. Steffi:
      22.06.2020 um 09:28 Uhr

      Was bedeutet "normale" Familienverhältnisse? Familien sind ganz unterschiedlich. Ich bin alleinerziehend, arbeite Vollzeit als Erzieherin und strebe eine Leitungsposition an. Ich benötige, trotz Betreuung durch die Großeltern, ein besseres Betreuungsangebot für mein Kind. Ich sehe hier keine wirtschaftliche Überlegung, was mich betrifft, sondern eine persönliche. Selbstbestimmung der Kinder - unbedingt! Aber auch die der Eltern!

      Antworten


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